Systemische Familienaufstellung und Bewegungen der Seele
Wohl kaum ein Ansatz hat die Diskussion in der systemischen Arbeit in neuerer Zeit so angefacht und polarisiert wie der Bert Hellingers.
Hellinger entwickelte einen ungewöhnlichen Weg eines lösungsorientierten Kurzzeitansatzes, wobei er selbst seine Arbeit nicht als Psychotherapie versteht, sondern als Lebenshilfe.
Die Arbeit besteht vor allem in Familienaufstellungen, einer bestimmten Form von Skulpturarbeit, in der eine Person im Rahmen einer Gruppe ihre Herkunftsfamilie aufstellt. Hellinger geht davon aus, dass in sozialen Systemen eine Ordnung besteht, die eine bestimmte Wirkung auf die Systemmitglieder ausübt. Er nennt sie die Ursprungsordnung.
Diese Ordnung ist „vorgeben“, bzw. wurde und wird
„gefunden“. Sie erscheint damit nicht konstruiert und nicht
beliebig. Dies unterscheidet Hellingers Ansatz radikal von anderen
aktuell diskutierten postmodernen und konstruktivistischen Konzepten.
Sofern
diese Ursprungsordnung respektiert ist, gelingen Beziehungen, wird sie
verdreht, kommt es zu Störungen. In einer Familienaufstellung wird
das unbewusste verinnerlichte Familienbild des Protagonisten sicht- und
erlebbar. Ein neues lösendes Familienbild kann gefunden werden.
Positionen, die nicht gemäß sind, können aufgegeben
werden. Verstrickungen und blinder Ausgleich können eine Ende
finden, sodass sich oft ein innerer Frieden einstellt.
Dieser
Prozess kann eine tiefgreifende Neuorientierung in Gang setzten, die
dem Klienten hilft, seine Probleme zu lösen oder Symptome
aufzugeben.
Die Entdeckungen Bert Hellingers und seine
Weiterentwicklungen finden bereits weltweite Beachtung und haben
längst die Grenzen des deutschsprachigen Raumes
überschritten. Auch der Anwendungsbereich von systemischen
Familienaufstellungen hat sich erweitert, den therapeutischen Rahmen
verlassen, und sich z.B. der Versöhnungsarbeit zwischen ethnischen
oder politischen Gruppen oder Konfliktlösungen für
Organisationen angenommen. Es geht um Geschehnisse der Vergangenheit,
schweres Schicksal, ungelöste Konflikte und nicht geregelte
Beziehungsfragen, in das wir durch Zugehörigkeit zu unserer
Herkunftsfamilie, Sippe, Gruppe oder Nation verstrickt sind.
Die
Suche nach Lösungen, nach Versöhnung mit der Vergangenheit
und mit den Toten hat Bedeutung für eine erfüllte Gegenwart
und für unser zukünftiges Handeln. Systemische
Aufstellungsarbeit ist weit mehr als ein neuer therapeutischer Ansatz.
Hellinger selbst arbeitet immer minimalistischer und verlässt sich
mehr und mehr auf das, was im Kraftfeld der Gruppen zu bewegenden
Lösungen führt (Bewegungen der Seele) und deutlich erfahrbar
ist.
Dieses direkte und ganzheitliche Erleben von innerem Frieden und gesammelter Kraft, wenn die Beteiligten von Aufstellungen ihren guten Platz finden und ihrem Schicksal zustimmen, bringt tief in der Seele etwas in Ordnung und erklärt den „Zauber“ der systemischen Familienaufstellung und den Erfolg dieser Arbeit.